Die Gemeinde Hintermeilingen wird, eingebettet zwischen Ellar und Lahr, zwar ebenso alt sein wie diese beiden Nachbargemeinden, jedoch wird Hintermeilingen erst viel später und zwar im Jahr 1328 erstmals als Hynderen Meylingen erwähnt, wie Dr. Gensicke, der Archivar des Hauptstaatsarchives in Wiesbaden, herausgefunden hat. Der Name leitet sich von Anselm von Milingen ab, einem Adligen der Herren von Molsberg, die zu den Dienstmannen der Herren von Runkel und Westerburg gehörten.Wie die anderen Nachbardörfer so gehört auch Hintermeilingen da­mals zum Niederlahngau und der Grafschaft Diez und zum Kirchspiel Lahr. Nach der Darstellung der ersten geschichtlichen Erwähnung würde es hier zu weit führen, die vielfältigen Schenkungen, Verpfändungen und Einlösungen zwischen den Grafen in Diez, Katzenellnbogen und Dillenburg vom 13. bis zum 17. Jahrhundert aufzuführen, aber dieser häufige Wechsel der Herrschaften deutet darauf hin, dass man von Seiten der Grafen an dem guten und fruchtbaren Land in unserer Gemeinde immer Interesse hatte.

Im Jahr 1607 wurde Hintermeilingen dann dem Amt Ellar und der Grafschaft Nassau-Hadamar zugeordnet, wo es bis zur Neuord­nung unter Napoleon 1806 auch blieb. Unter französischer Herrschaft wurde unsere Geschichte dann der Mairie (Bürgermeister­amt) Lahr zugeordnet. Wie man also aus der Gemeinde sehen kann, spielte sich das Gemeindeleben im­mer im Spannungsfeld dieser beiden Nachbargemeinden ab. Im Jahre 1816 kam dann Hintermeilingen zum Amt Hadamar und mit diesem nach der Auflösung des Großherzogtums Nassau im Jahr 1866 an Preußen. Vorübergehend bis 1885 zum Oberlahnkreis gehö­rend, wurde unsere Gemeinde dann endgültig dem neugebildeten Kreis Limburg zugeordnet. Kirchlich gehörte Hintermeilingen zu der im 12. Jahrhundert erbauten Pfarrkirche in Lahr, die auch von der Reformationszeit nicht verschont wurde. Und so wurden die Hintermeilinger vorü­bergehend protestantisch, bevor dann das gesamte Hadamarer Land unter Fürst-Johann-Ludwig wieder zum katholischen Glauben zurückgeführt wurde. Aus den Dokumen­ten im Hauptarchiv ist ersichtlich, dass bereits im Jahr 1524 eine Ka­pelle, die dem St. Peter geweiht war, gebaut wurde. Als diese dann 200 Jahre später baufällig wurde, baute man an gleicher Stelle im Jahre 1726 eine größere Kapelle, die der heiligen Maria geweiht war. Die Hintermeilinger Kinder mussten in die Kirchspielschule nach Lahr gehen, deren Schulmeister aus den Kapelleneinkünften be­zahlt wurde. Bald nach 1700 jedoch errichteten die Hintermeilinger eine Filialschule, die im Gemeinde­backhaus untergebracht war. Da die Geburtenzahlen in der Mitte der vergangenen Jahrhunderte stark stiegen, war die alte Schule bald zu klein und man errichtete von 1846-1848 eine neue Schule, in der heute ein Teil des Kaufhauses Lang untergebracht ist.

Bauern und Tagelöhner
In der preußischen Zeit des vergangenen Jahrhunderts gab es das 3-Klasssen-Wahlrecht, das erst in der Weimarer Republik abgeschafft wurde. Von daher kann man aus den damaligen Steuerlisten die Beschäftigungsmöglichkeiten' unserer Vorfahren erkennen. In der Klassen­steuerliste 1890 waren Bauer und Landmann sowie Tagelöhner die häufigsten Berufsbezeichnungen. Doppelberufe waren keine Seltenheit, weil die heimische Landwirtschaft die meist großen Familien nicht ernähren konnte. Um die Jahrhundertwende verdienten, viele Männer ihr Brot als Maurer oder Verputzer im Rheinland, Ruhrgebiet, zum Teil auch in Mittel­deutschland, während die Frauen und Kinder eine kleine Landwirtschaft betrieben. Einige Männer arbeiteten auch in den Erzgruben in Heckholzhausen, Merenberg und Schupbach in den Basaltbrüchen in Heckholzhausen, Ellar und Hausen oder in der Braunkohlegrube in Lahr. Im Jahre 1911 begannen die Gebrüder Schmidt aus Hettenleidelheim mit dem Tonabbau in unserer Gemeinde, so dass für viele Erwerbstätige der Weg zur Arbeit näher wurde. Außerdem gingen viele Männer und Frauen als Händler in die Schweiz, nach Sachsen, Hamburg und Berlin und verkauften dort Textilien, Töpferwaren und Schirme. Die Maurer und Händler blieben monatelang „in der Welt” und kehrten nur im Winter bzw. an den hohen Feiertagen heim. Durch diesen Neben-, in vielen Fällen auch Haupterwerb, waren die Familien nicht so hart getroffen, wenn es zu Missernten kam und die Grundnahrungsmittel Brot und Kartoffeln teuer wurden. Fleisch und Wurst waren ganz rar. Aus den Viehzähllisten ist ersichtlich, dass nicht einmal jeder Bauer sich ein Schwein halten konnte. An Gewerbetreibenden gab es 1900 zwei Schmiede, zwei Lebensmittelhändler und drei Wirte. Es gab weder Metzger noch Bäcker; das Brot wurde im Gemeindebackhaus gebacken, sogar noch bis 1947.

Durch den Bau der Kerkerbachbahn (1905) bis nach Hintermeilingen wurde unsere Gemeinde an das Eisenbahnnetz angeschlossen, auch wenn der Hauptzweck des Eisenbahnbaus im Gütertransport von Eisenerz, Braunstein, Basalt und Ton lag. Von 1907 an wurde sogar die Kerkerbachbahn bis nach Mengerskirchen weitergebaut. Aus Rentabilitätsgründen wurde die Strecke bis Mengerskirchen jedoch schon 1920 wieder geschlossen, so dass der Bahnhof Hintermeilingen bis zur Stilllegung im Dezember 1960 letzte Station war. Hatte man bis 1922 die Häuser mit Petroleum und Rüböllampen beleuchtet, so stellte die Versorgung mit elektrischem Strom in 1923 eine große Annehmlichkeit dar, auch wenn vor allem die älteren Bürger sehr sparsam damit umgingen. Während man mit der Kerkerbachbahn in eineinhalb Stunden nach Limburg fahren konnte, so konnte man ab Dezember 1926 mit der neu eröffneten Kraftpostlinie nach Hadamar fahren.

Durch die in den USA ausgelöste Wirtschaftskrise im Oktober 1929 stieg die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf über 6 Mil­lionen an. Deshalb beschloss die Reichsregierung die Durchführung von Notstandsarbeiten, um vor allem die arbeitslosen Jugendlichen gegen einen geringen Lohn von 2 bis 3 Reichsmark pro Tag zu beschäftigen. Im Rahmen dieser Notstandsarbeiten wurde 1930 der Kosakenberg abgetragen und mehrere Feldwege ausgebaut. In dieser von Krisen geschüttelten Zeit der 30-iger Jahre wurde am 2. Februar 1929 auf Initiative des Bürgermeisters Wilhelm Hofmann der Kirchbauverein gegründet, dessen ehrgeiziges Ziel es war, trotz erheblicher Widerstände des damaligen Pfarrers Hellbach, möglichst schnell ein Gotteshaus zu bauen und aus dem Kirchenverband Lahr auszuscheiden. Der Bau unserer Kirche in „den armen 30er” Jahren ist wohl das größte Gemeinschaftswerk unserer Gemeinde gewesen und verdient heute noch großen Respekt.

Mit dem Beginn des 2. Weltkrie­ges am 1. September 1939 brach er­neut Angst und Leid über unsere Einwohner herein. Im Gegensatz zum 1. Weltkrieg war trotz der großen Anfangserfolge keine Kriegsbegeisterung zu spüren. Immer mehr Männer wurden eingezogen, und immer häufiger kamen Todesnachrichten, was unvorstellbares Leid in die Familien brachte. 39 Gefallene und 20 Vermisste waren die traurige Bilanz des 2. Weltkriegs.

Am 20. Dezember 1943 entging unsere Gemeinde nur knapp einer Katastrophe, als ein von einem deutschen Nachtjäger abgeschossener englischer Halifax-Bomber oberhalb des Dorfes Richtung Ellar Abstürzte und explodierte. Als am l6. März' 1945 amerikanische Panzer von Steinbach kommend ins Dorf einfuhren, war für Hintermeilingen der zweite Weltkrieg beendet.

Von März bis Oktober 1946 wurden insgesamt 180 Heimatvertriebene, vor allem aus dem Sudetenland und dem Altvatergebiet, nach Hintermeilingen gebracht und mussten auf die Haueigentümer verteilt werden. Die Unterbringung und Versorgung dieser Neubürger war nicht leicht, weil die Häuser nicht für eine Vermietung geeignet waren und weil auch die Lebensbedingungen der Einheimischen unerfreulich waren. Die Gemeinde brachte viele Familien in der alten Schule unter, ein Behelfsheim wurde gebaut und nach dem Umbau des Rathauses wurde dort Platz für Heimatvertriebene geschaffen. Am 6. Juni 1948 fand die erste Kommunalwahl seit 1933 wieder statt, bei der Wilhelm Schmidt zum ehrenamtlichen Bür­germeister gewählt und am 6. September 1948 in sein Amt eingeführt wurde.

Mit Tatkraft und Energie ging er die vielfältigen kommunalen Aufgaben an und fand große Unterstützung in der Gemeindevertretung. 1953 wurde eine Wasserleitung gebaut, gleichzeitig wurde die Kanalisierung der Dorfstrassen vorangetrieben. In den Jahren 56 und 57 wurden die Dorfstrassen begradigt, ausgebaut und mit einer Teerdecke versehen.

Ende der 50er Jahre wurde ein heißes Eisen angepackt, die Flurbereinigung. Das Flurbereinigungs­verfahren war jedoch Voraussetzung 'für die Ausweisung von Baugelände in der Ringstrasse, Vorhonigstrasse, Hochstrasse, Nordstrasse, Neunmorgen u.a.; von daher waren die Flurbereinigungsmaßnahmen prägend für das Wachstum unserer Gemeinde und auch für das heutige Gemarkungsbild. Verrohrung des Hintermeilinger Floßes, Friedhofserweiterung, Bau der Leichenhalle waren ebenso wichtige und dringende Baumaßnahmen in den 70er Jahren wie der Bau des Feuerwehrgerätehauses (1970) und der Mehrzweckhalle, die in den Jahren 1975/76 nochmals umgebaut und vergrößert wurde.

Im August 1964 wurde das in der kirchlicher Trägerschaft errichtete Pfarrheim sowie der Kindergarten seiner Bestimmung übergeben, eine Maßnahme, von der die Kinder unserer Gemeinde ebenso profitierten wie von der Erhaltung der Grundschule, die im Juni 1967 in Pavillonform errichtet und in 1989 um zwei weitere Räume erweitert wurde. Schon sehr früh hatten Gastwirte und Pensionsinhaber die zunehmende Bedeutung des Fremdenverkehrs erkannt und entsprechende Investitionen getätigt, ebenso wie die Gemeindegremien, die mit der Errichtung eines Fremdenverkehrsamtes, dem Bau von Wanderwegen, Naherholungsanlagen, Schutzhütten und anderen Einrichtungen die Weichen stellten für die Anerkennung zum staatlich anerkannten Erholungsort (26. Juni 1977) und schließlich zum Luftkurort (24. Oktober 1984).

Eine für die Selbstständigkeit von Hintermeilingen wichtige kommunale Veränderung trat am 1. Januar 1971 in Kraft. Als erster freiwilliger Zusammenschluss im damaligen Landkreis Limburg bildeten die bis dahin selbstständigen Gemeinden Ellar und Hintermeilingen die neue Gemeinde Ellar. Wilhelm Schmidt wurde zum hauptamtlichen Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt, während beim Zusammenschluss von Hausen, Fussingen und Lahr am 1. Januar 1972 Rudolf Hölzer ebenfalls zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt wurde.

Als dann im März 1973 Bürgermeister Schmidt auf eigenen Wunsch in den Ruhestand trat, wurde Norbert Jeuck zunächst zum Bürgermeister von Ellar und dann, nach dem Zusammenschluss im Rahmen der kommunalen Gebietsreform (1. Juli 1974), auch zum Bürgermeister der durch Gesetz zusammengeschlossenen Großgemeinde Waldbrunn gewählt.

Seit diesem Zeitpunkt ist Wald­brunn zu einer Gemeinde zusammengewachsen und bildet trotz manchmal auftretender Differenzen zwischen einzelnen Ortsteilen eine Einheit. Im Mittelpunkt der kommunalen Aufgaben stehen nunmehr weniger Neuinvestitionen und größerer Baumaßnahmen als vielmehr die Sicherung und Erhaltung der Bausubstanz und der Infrastruktur. In den letzten Jahren haben in Waldbrunn Schutz und Erhalt unserer natürlichen Lebensbedingungen einen hohen Stellenwert erfahren. Der Bau von drei Kläranlagen für alle fünf Waldbrunner Ortsteile stellte nicht nur für die Gemeinde und die Bürger eine hohe finanzielle Belastung dar, sondern auch eine große Herausforderung für Bürgermeister Lothar Blättel, der seit nunmehr 16 Jahren die Geschicke der Großgemeinde lenkt. (Heinrich Mai: Stand 2006)  <<<zurück

 

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